Während einerseits Projektteams scheitern, laufen andererseits Teams zur Höchstform auf und werden zu Spitzenteams. Wie kann das sein? Was machen diese Teams anders, um so erfolgreich zu werden? Antworten können sein, wie: Die Auswahl der Teammitglieder, die Gestaltung der Arbeit an sich , der Umgang der Teammitglieder untereinander, die Führung von Projektteams oder auch noch andere Faktoren, die dazu beitragen, Teams zum Erfolg zu führen.

Wie schon bereits im ersten Artikel zum Thema Teamarbeit erwähnt, zeichnet sich ein Team unter anderem dadurch aus, dass sich seine Teammitglieder wechselseitig inspirieren, um innovative Problemlösungen entwickeln zu können. Sie haben gemeinsame Ziele, Werte und Spielregeln der Zusammenarbeit. Ein „Wir-Gefühl“ zeichnet das Team aus. Die Aufgaben und Tätigkeiten werden selbstständig unter den Teammitgliedern aufgeteilt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie kann die Auswahl der Teammitglieder erfolgen, dass sie so zusammenpassen und sich auch zu einem erfolgreichen Team entwickeln können. Neben der fachlichen Kompetenz trägt auch die Persönlichkeit jedes Teammitgliedes entscheidend zum Teamerfolg bei. Im Idealfall unterstützen sich die Teammitarbeiter über das eigene Team hinaus gegenseitig, arbeiten zusammen auf Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt, schaffen eine gemeinsameVertrauensbasis und genießen eine Arbeitsatmosphäre, in der jeder seine Talenten entfalten kann. Dies führt zu Steigerungen der individuellen Leistungen, zum Teamziel und letztendlich zur Produktivität des Unternehmens bei.

Die Voraussetzung dafür ist:

  • Jeder im Team sollte seine Erwartungen an die anderen Teammitglieder klar formulieren und offen kundtun.
  • Im nächsten Schritt vereinbaren dann alle Teammitglieder gemeinsam und verbindlich, wer wen und wo unterstützen soll.
  • Wenn alle Teammitglieder „Geben und Nehmen“, ist ein gesundes Maß vorhanden und die Balance ist gegeben.

Das Modell „Giver“ und „Taker“ von Adam Grant

Personaler lernen im Laufe Ihrer vielen Bewerbungsgespräche unterschiedliche Menschentypen kennen und entwickeln mit der Zeit – früher oder später - ein Gespür für deren Persönlichkeit. Doch was vielen Personalern nicht bewusst ist, dass (fast) alle Menschen entweder ein Geber (giver) oder ein Nehmer (taker) ist. Im Hinblick auf die Teamzusammensetzung sollte darauf geachtet werden, dass nur ein Nehmer sprich ein „Taker“ in einem Team vorhanden sein sollte.

Der US-amerikanische Organisationspsychologe Adam Grant entwickelte das Modell der „Giver und Taker“. In seinem Buch "Give and Take - A Revolutionary Approach to Success / Geben und Nehmen: Erfolgreich sein zum Vorteil aller" erklärt er, warum die jahrzentelang als gängig geltenden individuellen Erfolgsparameter Leidenschaft, harte Arbeit, Talent und Glück heute nicht mehr allein ausschlaggebend sind. In einer neu gestalteten Welt hänge der Erfolg vielmehr von unserem Umgang mit anderen ab. Seiner Ansicht nach unterscheidet eine grundlegende Lebenseinstellung die beiden Persönlichkeitstypen: Das Motto des Givers lautet: What can I do for you?“ , während der Taker nach dem Motto handelt: What can you do for me?

Was sind Giver für (Team) Mitarbeiter?

Wie der Begriff „Giver“ schon sagt, sind es jene Mitarbeiter, die gerne „geben“. Sie sind echte Teamplayer. Sie zeichnen sich sowohl durch Empathie und Hilfsbereitschaft aus als auch durch ihre eigene Art zu netzwerken sowie zu verhandeln. Die Giver unterscheiden sich von den Takern durch Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und ihr Anliegen, das bestmögliche Ergebnis für alle Beteiligten zu erzielen. Zudem kann er nur schwer Nein sagen und neigt dazu, sich von den Mitarbeitern ausnutzen zu lassen. Er ist also alruistisch veranlagt.

Laut Adam Grant eignen sich die Gegebenden besonders als Führungskräfte gut: Laut Studien würden sie eher in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter vertrauen und seien auch bereit, sie zu fördern, ohne dafür sofort eine Gegenleistung bzw. einen Erfolgsnachweis zu erwarten. Der Vorteil: Es stellen sich bessere Leistungen ein und eine gute Vertrauensbasis ist gegeben. Für Adam Grant schließen Hilfsbereitschaft und Produktivität einander nicht aus. Das Gegenteil sei der Fall: Hilfsbereitschaft ist Motivator für gesteigerte Leistung und Effizienz.

Was sind Taker für (Team) Mitarbeiter?

Der „Taker“ ist sich selbst der Nächste. Er nimmt gerne von anderen, um für sich Vorteile daraus zu ziehen. Zudem erkennt ein „Taker“ sehr schnell einen „Giver“ im Unternehmen und nutzt ihn gerne für sein Vorhaben aus, beispielsweise um seine Karriereziele voranzutreiben. Rücksicht auf das Wohl der Teammitarbeiter zu nehmen, ist ihm fremd. Mit anderen „Takern“ im Unternehmen liefert er sich zeitweise auch gerne eine Art „Wettkampf“.

Welchen Einfluß können die „Giver“ und „Taker“ im Unternehmen einnehmen?

Wie bereits erwähnt, ist für Adam Grant der „Taker“ ein Mensch, der narzisstische Persönlichkeitsstrukturen zeigt. Zudem handelt er „Ich-bezogen“, egoistisch und rücksichtslos. Nicht selten fehlt ihm die Fähigkeit zur Empathie. Man sollte sich merken, dass jeder Narzisst sowie Psychopath ein „Taker“ ist. Aber nicht jeder „Taker“ ist zugleich narzisstisch oder psychopathisch veranlagt – aber viele. Gerade die Psychopathen wirken auf ihre Mitmenschen bzw. Mitarbeiter häufig besonders charmant, zuvorkommend und sogar fazinierend; dabei sind ihre scheinbar ausgeprägten sozialen Kompetenzen eine reine Täuschung. Ihre Mitarbeiter werden zu ihrem Werkzeug, um die eigenen Ziele zu erreichen – ohne Rücksicht auf Verluste. Eine hohe Anzahl von „Takern“ imUnternehmen bedeutet einerseits Leistungsträger zu haben, andererseits könnte es aber auch eine tickende Zeitbombe sein.

Aus diesem Grund sollte das Unternehmen darauf achten, dass die „Taker“ nicht die Oberhand im Unternehmen gewinnen. Eine besetzte Führungsebene, besetzt nur aus egoistischen „Takern“, stellt eine Gefahr für das gesamte Unternehmen dar. Während die „Taker“ zielstrebig ihre Karriere in Angriff nehmen und auch machen, bleiben die „Giver“ auf der Strecke. Sie werden ausgenutzt bis all ihre Resourcen aufgebraucht sind und werden dann krank – psychisch und physisch.

Auswirkungen für das Unternehmen sind:
  • Erhöhte Fluktuation von Mitarbeitern
  • Die Arbeitgeberattraktivität läßt nach
  • Der Krankenstand steigt an
  • Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter sinkt stetig, vor allem die der „Givers“
  • Konflikte im Unternehmen häufen sich
  • Teamwork, Kreativität und Innovation bleiben auf der Strecke
  • Führungspersönlichkeiten arbeiten gegeneinander statt miteinander

In diesem Artikel sind diese zwei wichtige Soft Skills „Empathie“ und „Alturismus“ erwähnt worden, die laut Experten im Berufsleben zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der“Giver“ verfügt über diese Soft Skills, die der emotionalen Intelligenz zuzurechnen sind. Für Adam Grant kommt in seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass die besten „Performer“ im Unternehmen die sogenannten „Matcher“ sind. Das sind jene Mitarbeiter die über das richtige Maß aus Geben und Nehmen verfügen. Zudem weist er anhand von Studien und Beispielen in seinem Buch nach, dass tatsächlich der „Giver“ im Business und überhaupt am erfolgreichsten ist.